Wandmalerei ganz legal

Nervöses Umblicken gab es nicht. Voller Konzentration rollt Aja aus der achten Klasse rote Farbe an die Wand – ganz legal. Denn Irmgard Schlafke wollte das schlichte Weiß im Flur durch ein Gemälde ersetzen. “ Der Betrachter soll sich mit aktuellen politischen Situationen auseinandersetzen“, so die Grundidee der Kunstlehrerin. Sie holte sich den Graffiti-Künstler Benjamin Siems von 2lefthands mit an Bord. Unter seiner Federführung lernten die zwölf Achtklässler den Umgang mit Pinsel und Farbe von einem Profi. Zuvor setzten sich die Schülerinnen und Schüler aus der Klasse 8b mit den globalen Problemen von Krieg, Flüchtlinge und Umweltverschmutzung auseinander. Es entstand ein beeindruckendes Werk, das zur intensiven Auseinandersetzung einlädt. Neben dem Abendrot, das gerade aus Ajas Hand entsteht, wird später die stattliche Arche Noah auf der Oberfläche des Ozeans stabil schwimmen. Sinnbild für den Erhalt und die Rettung der Schöpfung. Nur unweit davon entfernt wirkt dagegen tänzelnd über den Wellen ein kleines Flüchtlingsboot. „Das Recht auf Leben, auf Unverletzlichkeit, auf Freiheit ist ein unentbehrlicher Teil jeder sittlichen Gemeinschaftsordnung“, sagte der Namenspatron unserer Schule, Kardinal Clemens August von Galen, in seiner berühmt gewordenen Reden vom Sommer 1941. (1) Darin prangerte der zu dieser Zeit als Bischof amtierende von der Kanzel der Lambertikirche Münster die Vertreibung Rechtschaffener, Unbescholtene und Christen durch das nationalsozialistische System öffentlich an.

(1) Markus Trautmann, Christiane Daldrup und Verona Marliani-Eyll [Hrsg.]: „Endlich hat einer den Mut zu sprechen. Clemens August von Galen und die Predigten vom Sommer 1941″. S. 32. 2. überarb. Aufl., 2013, dialogverlag Münster.